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Von Gewerkschaften und nicht gezahlten Löhnen

Autor: Lars | Datum: 19 Mai 2013, 03:59 | Kommentare deaktiviert

Da ich ja noch nicht so viel von meinen Aufgaben hier erzählt habe, möchte ich das jetzt schnell mal nachholen. Während in den ersten Tagen viele kleine Veranstaltungen auf dem Programm standen, ich also Pasotr Nomad bei seinem Peacekeeping Ministry zu Meschenrechtsveranstaltungen in Manila, Wahlaufklärungen in den umliegenden Städten oder zu Terminen in den umliegenden Provinzen begleitet habe, sollte ich die letzten Tage im April hauptsächlich mit den Gewerkschaftlern und Arbeitern der großen Firmen in den umliegenden Städten verbringen, die sich zu dem noch auf eine große Demonstration am ersten Mai in Calamba (Nachbarstadt) vorbereiteten. Dementsprechend ging es am ersten Tag gleich zu einem Camp der KMU, die Vereinigung der einzelnen Gewerkschaften in Laguna, vor einer Zweigstelle des Department of Labor and Employment an einer der Hauptverkehrsadern der Stadt. Hier wurde mit Plakaten, Flyern und großen Boxen, aus denen Revolutionslieder klangen, auf die bevorstehende Veranstaltung am 1. Mai hingewiesen. In dem Gespräch mit einem der Organisatoren, erfuhr ich, dass man etwa 12000 Arbeiter und Unterstützer der Bewegung für besagten Tag mobilisieren wollte und dementsprechend an mehreren Stellen Camps aufgebaut wurden, um die Leute zu informieren. Warum diese Camp ausgerechnet vor dem Department of Labor and Employment (DoLE) stand wurde mir auch erklärt, hier würden nämlich viele der Fälle verhandelt werden, in denen Arbeiter gegen die Verletzung ihrer Rechte klagen, die es wohl immer wieder zu geben scheint. Nachdem was mir erzählt wurde, enden die Prozesse meistens zu Gunsten der großen Firmen.


 (Solch ein nicht angemeldetes Camp würde in Deutschland wohl schon alleine aus dem Grund verboten werden, da es den Bürgersteig blockiert und die Fußgänger genötigt werden, auf die Straße auszuweichen. Hat hier aber keinen gestört.)

An den drauf folgenden Tagen ging es dann zu weiteren Camps und ich habe eine Nacht im Büro der KMU geschlafen, in dem Fahnen, Banner und Shirts (gibt es da eigentlich auch nen deutsches Wort für?) für die Demo gedruckt wurden. Unter anderem auch welche mit den Köpfen von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao darauf und dem Schriftzug „5 Great Leaders“. Als man mir auch eines drucken wollte und ich drauf antwortete, dass das nicht nötig sei, da ich bestimmt kein Shirt mit den Köpfen von Diktatoren und Massenmördern wie Stalin oder Mao tragen werde und wie man solche Menschen als großartige Führer bezeichnen könne, erntete ich erst einmal nur erstaunte Blicke. Als ich drauf hin noch hinzufügte, dass das ja das gleiche wäre, wie Hitler als einen großen Führer zu bezeichnen, kam das Argument, dass Hitler ja ein Diktator der Bourgeoisie gewesen sei und Stalin und Mao Diktatoren des Proletariats, das könne man ja nicht vergleichen. Schade, dass auf meiner Seite nicht genug Tagalog- und auf der anderen Seite nicht genug Englischkenntnisse vorhanden waren, um das ernsthaft auszudiskutieren. Aber ohne Sprache kann man sich halt schlecht streiten und somit habe ich es dabei gelassen und einfach weiter mitgeholfen. Dabei kam es immer wieder zu aufschlussreichen Gesprächen mit Gewerkschaftlern, die mir über ihre Probleme in den Unternehmen berichteten und wie schwer es in den Philippinen sei, überhaupt eine Gewerkschaft aufzubauen. Es wurde von Drohungen seitens der Unternehmensführung erzählt, dass man etwa entlassen würde, wenn man sich der Gewerkschaft anschließe, aber auch von gewaltsamen Übergriffen gegenüber führenden Mitgliedern. 2005 etwa wurde der Präsident der Arbeitergewerkschaft des Nestlewerk hier in Laguna ermordet, etwa zur gleichen Zeit, als auch ein Gewerkschaftspräsident in Kolumbien ermordet wurde und dort eine Verbindung zum Nestlekonzern nachgewiesen werde konnte. Aber auch andere internationale Konzerne wie Toyota oder Honda stehen hier öfters im Konflikt mit den Arbeitern, wegen nicht gezahlter Löhne oder Rentenansprüche.

Die Firma PhilSteel etwa, die im letzten Jahr ihr Werk in Laguna schließen musste und die meisten Arbeiter entließ, weigert sich die vertraglich vereinbarten Abfindungen zu bezahlen, woraufhin die Arbeiter ein Protestcamp vor dem Tor der stillgelegten Fabrik errichtet haben, um den Abtransport der Maschinen zu verhindern. Auf meine Frage hin, ob man dagegen juristisch vorgehen könne, wurde mir von einem der Arbeiter erzählt, dass dass es schon einen Prozess gebe, dieser aber schlecht laufe, da der Richter wahrscheinlich bestochen wurde und auch von der Politik sei keine Hilfe zu erwarten, da PhilSteel bei der letzten Wahl reichlich Wahlkampfspenden an den amtierenden Gouverneur gezahlt hatte.

Ein ganz anderes Problem hingegen hatten die Arbeiter einer Tochterfirma von Toyota, die Autoteile herstellt. Sie beschlossen vor etwa 5 Monaten eine Gewerkschaft zu gründen, um für eine Erhöhung der Lohne zu kämpfen und haben die dafür notwendige Wahl innerhalb der Firma abgehalten, bei der mindestens 50 % der Angestellten für die Gewerkschaft stimmen müssen. Schon im Vorhinein soll es Einschüchterungsversuche von der Unternehmensleitung gegeben haben und bei der Wahl, die vom DoLE durchgeführt wurde, wurde einer der (unabhängigen) Wahlhelfer dabei gefilmt, wie sie Stimmzettel verschwinden ließ. Sie war wahrscheinlich von der Firma bestochen worden, hatte zumindest kurz nach der Wahl einen recht teuren Urlaub auf Borocay verbracht, eine der beliebtesten Touristeninseln hier. Aus diesem Grund wird nun seit 5 Monaten schon im DoLE über eine Annullierung der Wahl verhandelt (die knapp verloren ging) und hier könnte tatsächlich auf Grund der erdrückenden Beweislast für die Arbeiter entschieden werden .
Interessant fand ich auch, dass die Medien sich anscheinend kaum für solche Vorfälle interessieren zu scheinen. Zumindest sagte man auf meine Frage hin, ob man diese Konflikte auch publik mache und in der Öffentlichkeit austrage, dass die wenigsten Zeitungen und Rundfunkanstalten über solche Themen berichten wollen und es so schwierig sei, breite Unterstützung zu gewinnen.

Solche Repressionen und die fehlende Unterstützung aus Politik und Gesellschaft sind wohl der Grund dafür, dass nur ein Bruchteil der Arbeiter organisiert sind und in den meisten Unternehmen kein Mitspracherecht haben.


Am ersten Mai ging es dann mit Pastor Nomad und ein paar anderen Kirchenmitarbeitern zu der Demonstration nach Calamba. Es gab insgesamt vier Treffpunkte, rund um das Stadtzentrum, von denen aus jeweils zur Kundgebung mitten auf der großen Kreuzung im Zentrum gelaufen werden sollte. Als wir an unserem ankamen, waren die meisten schon vor Ort und trafen letzte Vorbereitungen. Ich schätze, dass etwa 500 Leute gekommen waren, da hatte ich ehrlich gesagt mehr erwartet. Aber vielleicht waren ja zu den anderen Treffpunkten mehr gekommen.
Geschossen sind wir dann Fahnen schwenkend und gelegentlich Parolen rufend Richtung Kreuzung gelaufen. Vorne weg die ganzen Roller und Motorräder und dahinter das Fußvolk.



Erstaunlicher Weise waren so gut wie keine Polizisten vor Ort, um das ganze zu überwachen. Das wäre aber auch nicht nötig gewesen. Wir haben zwar ein ganz schönen Stau verursacht, da wir mitten auf der Hauptverkehrsader nach Manila liefen, aber die Stimmung war durchweg friedlich und auch unter den Zuschauern am Straßenrand und bei den anderen Verkehrsteilnehmern konnte ich eigentlich nur neugierige Gesichter ausmachen. Es schien sich wohl keiner an dem zu stören, was wir da Veranstalteten, aber allzu großes Interesse habe wir auch nicht geweckt.
An der Kreuzung trafen dann die vier Gruppen aufeinander, was ein ganz schönes Spektakel ergab. Ich war zuvor etwas voraus gelaufen und hatte mir einen guten Platz auf einer Überführung gesichert und hatte somit einen sehr guten Blick auf das Geschehen. Zuerst trafen die ganzen Motorroller mit einem höllischem Hupkonzert ein, dicht gefolgt von den übrigen Demonstranten. Insgesamt gab es schon ein ganz gutes Bild ab und alles war sehr gut koordiniert, und es gab sogar eine kleine Blaskapelle und natürlich waren auch die Gesichter der „Great Leader“ überall präsent. Ich habe übrigens ein paar Tage später nochmal mit ein paar CYFlern (alles Studenten) darüber diskutiert und festgestellt, das die meisten zwar Karl Marx kannten, jedoch nicht Stalin oder Mao, oder nur wussten das sie Volkshelden in ihren Ländern sind,, ohne etwas über die geschichtlichen Hintergründe zu wissen.


(Auf dem Transparent steht sinngemäß: Hoch leben die großartigen Errungenschaften von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao)


Dennoch war ich immer noch ein wenig von der Anzahl der Teilnehmer enttäuscht. Von den angepeilten 12 000 waren höchsten 3000 gekommen, von denen sich auch nur die Hälfte vor der Bühne versammelten, um dem Programm zu folgen, dass aus einer Mischung aus Reden und musikalischen Beiträgen bestand. Inhaltlich ging es vor allem um die zu niedrigen Löhne und es wurde eine landesweite Erhöhung der Mindesttageslöhne um 125 Pesos (~2,30 €) gefordert. Im Moment liegt dieser je nach Region bei etwa 400 bis 450 Pesos für einen acht Stunden Tag. Wenn man da bedenkt, dass ich pro Tag etwa 130 Pesos für Lebensmittel ausgebe, ist dass echt wenig und vor dem Hintergrund, dass laut einer Studie der Regierung mindestens 1008 Pesos (~19 €) pro Tag notwendig sind, um eine sechsköpfige Familie über die Runden zu bringen, reicht es oft auch nicht zum Leben.
Zudem wurden die schlechten Arbeitsbedingungen in vielen Unternehmen kritisiert, die Privatisierung der meisten öffentlichen Dienstleistungen wie Wasser und Strom und generell der Präsident für das Nichteinhalten seiner Wahlversprechen.. Auch die USA und ihrer imperialistische Politik war ein großes Thema.

 

Letztendlich war also alles so, wie ich es von Demonstrationen in Deutschland gewohnt war, ich war nur wieder erstaunt, dass überhaupt keine Medienvertreter anwesend waren, zumindest hebe ich keine gesehen. Ich muss zudem gestehen, ich hatte mehr Repression bei einer Demo erwartet, bei der die Regierung so lautstark kritisiert wird. Mir scheint aber man hat hier sogar mehr Freiheiten, als man vielleicht in Deutschland gehabt hätte. Mir wurde erzählt, dass man solche Demos nicht einmal groß anmelden müsse, sondern eine kurze Information an die hiesige Polizeistation wegen der Behinderung des Verkehrs reiche. Zumindest in dieser Hinsicht funktioniert die Demokratie ohne Probleme.

 

Aus dem Leben eines Freiwilligen

Autor: Lars | Datum: 01 Mai 2013, 15:23 | Kommentare deaktiviert

„Hurra mein erster freier Tag hier in Los Banos, da wird natürlich ausgeschlafen“,denkt man sich noch frohen Mutes am Samstag Abend und geht etwas später ins Bett als gewöhnlich, nur um am nächsten Morgen um 8 Uhr vom lieben Herrn Nachbar geweckt zu werden, der mit seinen philippinischen Liebesschnulzen mal wieder die ganze Straße beschallt. Naja, wo man jetzt schon mal wach ist, kann man ja auch gut noch ein bisschen Lesen, wo die Eltern ja grade einen schönen Vorrat an deutschsprachiger Literatur mitgebracht haben.

Nach einem gemütlichem Frühstuck (natürlich ohne Reis) geht es zum Einkaufen zu nächsten Markt, wo ich auch alles für eine leckere Pasta bekomme, nur für die Nudeln selbst, muss ich einen kleinen Abstecher in den Supermarkt machen, ist aber kein Problem der liegt eh auf dem Weg. Erstaunlicher Weise kostet auf dem Markt fast alles mehr als in Lucena, teilweise sogar das doppelte, was mir später mit der Nähe zu Manila erklärt wird. Naja, im Vergleich zu Deutschland ist das meiste immer noch ziemlich billig. Auf dem Rückweg gehe ich noch beim Friseur vorbei, denn da der Sommer gerade richtig aufdreht (Mittags wird es gerne mal bis zu 36 Grad) und es in den nächsten Wochen noch heißer werden soll, ist man froh um jedes Haar, dass man nicht auf dem Kopf hat. Sie komplett abschneiden zu lassen traue ich mich dann aber doch nicht, vielleicht beim nächsten mal. Fast schäme ich mich ein bisschen, als ich für das komplette Programm, inklusive auswaschen, nur 40 Pesos ( 75 Cent) bezahlen muss, bekommt der Friseur halt noch 10 Pesos Trinkgeld obendrauf, was mir irgendwie auch etwas lächerlich vorkommt, sind aber immerhin 25 Prozent. Interessanter Weise ist die Friseurbrache, anders als in Deutschland, fast komplett von Männern beherrscht und zwar hauptsächlich von Schwulen und Transvestiten. Das liegt wohl auch daran, dass dies einer der wenigen Berufe ist, in denen sie gesellschaftlich voll akzeptiert sind und hat leider den Nachteil, dass ich auch dieses Mal angegraben wurde und zwar nicht von der netten Dame, die mir die Haare gewaschen hat.

Also schnell zurück nach Hause, denn nachdem ich die letzten Tage mindestens zweimal täglich Reis hatte, freue ich mich echt auf die Nudeln. Beim Kochen beschließe ich mich für den ungewollten Weckdienst heute morgen mit volle Pulle Elektromucke zu rächen, merke aber, dass meine Laptopboxen trotz geöffneter Fenster nicht den gewünschten Effekt erzielen. Da werde ich wohl bald mal zur Mall nach Calamba fahren müssen. Nachdem alles verputzt und das Geschirr wieder sauber ist, mache ich mich auf dem Weg zum nahegelegenen Unicampus, um die letzten Sonnenstunden unter einem schattigen Baum, fernab der ganzen Jeeps und Tricycles, zu verbringen. Erfreulicherweise funktioniert mein Internetstick hier deutlich besser, als bei mir im Haus und die Verbindung ist sogar so gut, dass ich mit der Mama skypen kann, zumindest bis plötzlich das Guthaben alle ist. Aber egal, auch ohne Internet ist es hier echt schön, viele Familien sind zum Picknicken hergekommen und ein paar Meter weiter spielen ein paar Kids Fußball, da fühlt man sich ja fast schon wie zu Hause. Ich lass mir die letzten Sonnenstrahlen des Tages aufs Gesicht scheinen und mache mich auf den Heimweg.

Ein kleiner Abstecher zur landwirtschaftlichen Fakultät muss aber noch sein, ich hatte zuvor nämlich den ganz heißen Tipp bekommen, man könne hier richtige frische Milch von glücklichen philippinische Kühen kaufen, wäre ja mal was anderes als immer nur die importierte ewig haltbar gemachte Milch aus Australien und Europa. Und tatsächlich, ein kleines Geschäft mit der Aufschrift Fresh Milk springt mir schon von weitem ins Auge und neben frischer Kuhmilch befinden sich auch Carabao- und Ziegenmilch und sogar ein paar Käsesorten im Sortiment. Es kostet zwar alles ein kleines Vermögen, aber 1 Liter Kuhmilch muss auf jeden Fall sein und auch die anderen Sachen werden bestimmt noch ausprobiert. Kombiniert mit ein paar meiner Lieblingsschokokekse ergab das ein richtig gutes Abendessen und einen guten Abschluss für die erste Woche hier.

 

2. Rundbrief

Autor: Lars | Datum: 13 April 2013, 07:15 | Kommentare deaktiviert

Einige haben ihn ja schon erhalten, für alle anderen gibt es ihn jetzt hier zum herunterladen:

Mein 2. Rundbrief

Viel Spaß beim Lesen

 

Urlaub und mein letzter (?) Umzug

Autor: Lars | Datum: 13 April 2013, 06:50 | Kommentare deaktiviert

Der Urlaub ist vorbei und der Alltag wieder eingekehrt, wobei auch nur für eine Woche. Denn heute ist mein erster Tag in meiner neuen Stelle in Los Banos, einer kleinen Stadt südlich von Manila, die meinem ersten Eindruck nach nur aus dem Campus der University of the Philippines und der Hauptstraße besteht. Meine Arbeitsplatz, nämlich das Büro der Southern Luzon Jurisdiction der UCCP (so etwas wie eine Landeskirche bei uns), befindet sich sogar auf dem Campus und meine Unterkunft ist nur 20 Minuten Fußweg entfernt, oder 10 Minuten mit dem Jeep. Wohntechnisch ist es eindeutig eine Verschlechterung zu Lucena, was wohl auch daran liegt, dass das Haus von meinem Mitbewohner, Pastor Normad, bisher nur zum schlafen genutzt wurde. Zumindest gibt es aber ein bisschen Geschirr, einen Kühlschrank, der aber meistens nicht genutzt wurde, und eine Art Camping-Kocher, also fast alles was man braucht. Haustiere gibt es auch, neben den Geckos begrüßten mich auch Kakerlaken, die weite Teile des Badezimmers und der Küche besetzt hatten, dafür hab ich aber noch keine Armeisen gesehen, aber die tauchen bestimmt auf, sobald es etwas essbares im Haus gibt.

Wie genau hier meine Arbeit aussehen wird, weiß ich noch nicht, dass werden wir nachher mit dem Bischof besprechen. Mir wurde zwar schon angedeutet, ich werde recht viel reisen müssen Frown, aber mal schauen, was sich so ergibt.


Der Urlaub mit meinen Eltern war auf jeden Fall super schön, wenn auch nicht alles so geklappt hat, wie es vorher geplant war. Ich hatte an der ein oder anderen Stelle die Reisezeit falsch geschätzt. Gestartet haben wir unsere Tour natürlich in Manila, um direkt am zweiten Tag mit dem Auto zu den Reisterrassen im Norden zu fahren. Eine Strecke von etwa 360 Kilometern, für die wir etwa 12 Stunden gebraucht hatten, was zum einem den Verkehrschaos in Manila und zum anderem den vielen kleinen Ortschaften geschuldet war, die auf unserem Weg lagen und Unmengen an Tricycles und Jeeps beherbergten. Naiv wie ich war, hatte ich mich auch nur mit der Karte aus meinem Reiseführer ausgestattet und war im Nachhinein sehr froh, dass Papas Iphone mit einem GPS Empfänger ausgestattet ist und Karten aus dem Internet herunter laden kann. Ansonsten hätte der Weg aus Manila heraus wohl noch länger gedauert, als ohnehin schon. Die Strapazen hatten sich jedoch gelohnt, wie wir an den nächsten Tagen feststellen durften und unsere Touren in die Umgebung und die umliegenden Dörfer wurden regelmäßig mit tollen Landschaften belohnt.

Die ersten dieser Terrassen wurden vor 2000 gebaut und werden immer noch bewirtschaftet. Heute zählen sie zum UNESCO-Weltkulturerbe und stellen die ältesten Bauwerke der Philippinen dar.

Ein paar Tage später ging es vom Norden Luzon in den Süden, um von Batangas City nach Puerto Galera auf Mindoro überzusetzen, eines der schönsten Tauchreviere auf den Philippinen. Über den Weg dorthin möchte ich nicht viele Worte verlieren, er war aber gespickt von Fehlentscheidungen und Menschlichem versagen und hat uns leider zu einer Übernachtung in Batangas gezwungen.

Als wir dann aber endlich in Puerto in unserem Ressort waren, war für die nächsten Tage erst einmal entspannen am Pool oder auf der Terrasse angesagt, unterbrochen von gelegentlichen Tauchgängen oder Ausflügen in den Ort. Besonders das Tauchen hat sehr viel Spaß gemacht und wird von mir so bald wie möglich wiederholt werden. Hier ein Eindruck von der Unterwasserlandschaft

Unsere letzte Station hieß dann natürlich Lucena, denn meine Eltern wollten ja auch meine Stelle kennenlernen und die Leute, mit denen ich in den letzten 3 Monaten gearbeitet und zusammen gelebt hatte. Es standen also alle möglichen Anstandsbesuche auf dem Programm, aber auch ein paar Touren in die Umgebung. Sehr schön war der Ausflug mit einer Freundin zu dem Ressort ihrer Oma, von wo aus wir zusammen zu einer Insel übergesetzt sind, wo wir den ganzen Strand für uns alleine hatten und richtig Paradiesurlaubsgefühl aufkam. Zum Abschluss durften meine Eltern auch noch einem Gottesdienst beiwohnen, bevor für einen letzten Tag zurück nach Manila ging.

Soweit zu unsere Reise durch Luzon, die glaube ich einen guten Eindruck von diesem Land vermittelt hat. Es war auf jedenfall sehr schön Besuch aus Deutschland zu bekommen. Es ist ja nochmal etwas ganz anderes, wenn jemand dieses Land selbst erlebt hat, als wenn ich nur davon berichte.  Ich muss mich jetzt auch verabschieden, der Bischof sollte gleich kommen, Also zum Abschluss ein multikulturelles Familienfoto mit Pastor Junwell, Kuya Ray (der Mann von Tita Noemi), Tita Noemi, mir, der Mama und Titia Vergie (die Frau vom Pastor).

 

Mindanao und zurück

Autor: Lars | Datum: 08 März 2013, 16:40 | Kommentare deaktiviert

Ende Januar ging es dann für mich zum Weltwärts-Zwischenseminar nach Davao auf Mindanao. Wir waren 16 Freiwillige von unterschiedlichen Organisationen aus allen Bereichen der Philippinen. Fünf Tage lang haben wir uns über unsere Erfahrungen und unsere Arbeit ausgetauscht, aber auch über Probleme und Konflikte in den Einsatzstellen geredet. Dafür hatte Didi, unser Seminarleiter einen sehr schönen Ort ausgewählt, ein kleines Resort auf der Insel Talikud. Zwischen den Einheiten blieb genug Zeit um mal kurz abzutauchen, die hauseigenen Korallen zu bewundern, Kajak zu fahren oder einfach nur auf der Terrasse zu entspannen und den Ausblick genießen.

Ausblick von der Terasse beim Zwischenseminar

Also fast schon ein bisschen wie Urlaub. Nach fünf Tagen war der Spaß aber schon vorbei und es ging teilweise schweren Herzens zurück in die Einsatzstellen. Jedoch nicht für mich. Ich hatte noch eine Woche auf Mindanao, in der ich mit Yasha, dem anderen VEM Freiwilligen und Matthew, einem amerikanischen Missionar, nach General Santos gehen sollte, hier auch bekannt als die Hauptstadt des Tunfisches, in der ich mein neues philippinisches Lieblingsessen entdeckt habe: selbst gemachtes Kinilaw. Eine Art Salat aus rohem Tunfisch, eingelegt in einer Essigsoße. Schmeckt super lecker, besonders wenn man den Fisch fangfrisch am Hafen kauft. Der eigentliche Grund unseres Aufenthaltes in Gen San war aber nicht der Tunfisch, sonder der Besuch der umliegenden Moro-Communities, also der islamischen Gemeinden.

 

Schon lange bevor die Spanier das Land kolonialisierten und das Christentum mitbrachten, hatte der Islam auf den südlichen Inseln Einzug gefunden. Während zu Beginn des 20th Jahrhundert noch der größte Teil der Bevölkerung Mindanaos muslimisch war, sind es heute jedoch nur noch 40%. Nicht zuletzt auf Grund von durch die Regierung geförderter Siedlungsprogramme für christliche Filippinos aus dem Norden und nicht selten entstanden dabei Konflikte, wenn Land der indigenen Bevölkerung den neuen Siedlern versprochen wurde. In den 1960ern bildete sich ein bewaffneter islamischer Widerstand, der sich in etlichen Gruppierungen organisierte. Die wohl bekannteste und heute auch größte ist die Moro Islamic Liberation Front (MILF), die seit etlichen Jahren in Friedensverhandlungen mit der Regierung steht und es wurde 2001 auch ein Waffenstillstand ausgehandelt, der jedoch nicht lange anhielt. Seit dem gab es immer wieder Kämpfe zwischen der Regierung und den Rebellen, die unter anderen für ein unabhängiges Mindanao kämpfen und gegen die Ausbeutung der Ressourcen durch internationale Firmen. Mindanao ist, soweit es Landwirtschaft und Bodenschätze betrifft die reichste Region der Philippinen, jedoch, wie das meistens so ist, mit der ärmsten Bevölkerung. Der Konflikt, wenn man überhaupt von nur einem sprechen kann, ist jedoch deutlich vielschichtiger, als ich ihn hier beschreiben könnte, da er sowohl religiös, als auch politisch motiviert ist, aber auch unterhalb der Clans stattfindet und es so viele unterschiedliche Akteure gibt.
Das hört sich jetzt ziemlich gefährlich an und man sollte bestimmte Regionen Mindanaos auch nicht ohne Führer, oder am besten gar nicht, bereisen, wir waren jedoch die ganze Zeit mit Einheimischen unterwegs und haben die besonders Konfliktträchtigen Regionen gemieden und Davao ist sowieso eine der sichersten Städte der Philippinen, wobei dort des öfteren der Zweck die Mittel heiligte oder anders gesagt, Verbrecher haben hier eine recht niedrige Lebenserwartung.

 

Wir waren also vier Tage in muslimischen Gemeinden an der Küste unterwegs und haben mit den Bewohnern geredet. Es ging eigentlich immer um das selbe Problem, nämlich das die Gemeinden vor 30 bis 40 Jahren auf Land errichtet wurden, dass Großgrundbesitzern gehört, diese sich aber nicht daran gestört hatte. Erst als das Land in den letzten Jahren verkauft wurde, in einem Fall an einen Energiekonzern, der dort ein Kraftwerk errichten möchte, wurde den Bewohner gesagt, dass die Häuser bald abgerissen würden. Es wird teilweise auch Ersatzland angeboten, jedoch nicht an der Küste und die Menschen, meistens Fischer, befürchten ihre Lebensgrundlage zu verlieren. Viele der betroffenen Gemeinden sind lokal organisier und veranstalten etwa Protestmärsche. Die Vergangenheit zeigt aber, dass so etwas meist ohne Erfolg beleibt, meiner Meinung auch, da man nicht Landesweit organisiert ist, sondern jeder sein eigenes Süppchen kocht und es an Solidarität in den nicht betroffenen Gemeinden fehlt. Es wird auch versucht die Regierung mit ins Boot zu holen, die noch immer keine klare Gesetzesgrundlage für solche Fälle geschaffen hat, wobei diese anscheinend immer wieder vorkommen. Auch die geforderte Finanzielle Unterstützung der umgesiedelten Familien wird es wahrscheinlich nicht geben und so könnte es passieren, dass die Betroffenen, wie in vorherigen Fällen auch schon, sich illegal in den Stadtzentren ansiedeln, womit das Problem nur aufgeschoben wurde.
Wir wurden bei unseren Gesprächen immer wieder gefragt was wir den vorschlagen könnten, wie das Problem zu lösen sei und außer einer besseren Organisation des Protests und zu versuchen sich mehr Gehör zu verschaffen, viel uns auch nicht mehr ein, als das Beste aus der neuen Situation zu machen. Eine nicht wirklich zufriedenstellende Antwort. Yasha wird sich auch in der Zukunft noch gelegentlich in Rahmen seiner Arbeit mit diesen Problemen beschäftigen, für mich waren diese aber nach der 4tägigen „exposure“ abgehackt und ich hatte noch drei Tage Zeit Davao zu erkunden, zumeist bei Nacht. Ein Höhepunkt bei Tage war der Besuch des Philippine Eagle Research & Nature Center, in dem es nicht nur die philippinischen Adler, die gemessen an der an der Flügelspannweite (bis zu 2 Meter) die größten der Welt sind, sonder auch viele andere Tiere und Pflanzen zu sehen gab, die in den Philippinen heimisch sind: Einfach mal hier durchklicken! Ein paar Wochen später in Bondoc Penisula hab die Seeadler sogar freier Wildbahn beobachten können:

Der Seeadler in Natura

Bevor es für mich nach Lucena zurück ging, um meine Reise nach Bondoc Peninsula anzutreten, habe ich noch die salvatorianischen Freiwilligen in Manila besucht. Nachdem der Behördengang für mein Jahresvisa überflüssig geworden war, da die Dokumente noch nicht fertig waren :-) hatte ich noch einen freien Tag, an dem ich Marc, Felix, Andi und Simon in ihr Projekt begleitet habe. Die vier arbeiten in als Lehrer in Tondo, eine der ärmsten Gegenden Manilas, und gehen in die Häuser der Schüler, um diese vor Ort zu unterrichten. Die Kinder sind zwischen 3 und 5 Jahren alt, also das gleiche Alter, wie die Kinder in den Day Care Centern, in denen ich bisweilen assistiert habe.

Ich war also mit der Materie vertraut und nicht komplett unvorbereitet, als ich Andi in seine Gruppen begleitet habe. Eine komplett neue Erfahrung war es jedoch in die Häuser der Schüler zu gehen und den Stadtteil Tondo nochmal aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben. Tauschen wollte ich mein Projekt aber nicht, alleine schon wegen dem 1½ stündigen Weg zur Arbeit durch den Smog von Manila. Da ist mir die meist doch recht frische Seeluft in meine Projekten deutlich lieber. Wenn ihr mehr über das Projekt erfahren wollt, empfehle ich euch mal einen Blick in den Blog von Felix zu werfen. Dort findet ihr auch einen, wie ich finde recht ergreifenden, Artikel über das Feuer, dass vor ein paar Wochen in Tondo gewütet hat und von den Vieren Haut nah miterlebt wurde --> http://rehgoestothephilippines.wordpress.com/

Das war diesmal aber viel Text und wenig Bilder, ich hoffe ihr habt trotzdem Spaß beim Lesen. Als nächstes hört ihr wohl wieder via Rundbrief von mir, ich bin wie immer spät dran, aber das kannte man bei mir ja schon vor den Philippinen.

 

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