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Von der Grossstadt ins Dorf und endlich wieder Luft zum Atmen ;)

Autor: Lars | Datum: 20 September 2012, 16:37 | Kommentare deaktiviert

So da bin ich wieder mit neuen Nachrichten aus dem fernen Osten. Beim MSV läufts ja leider gerade nicht so toll, doch ich lasse mir die Stimmung nicht vermiesen. Übrigens geiler Auftritt in Lautern.
Ich schreibe aber nicht wie angekündigt aus Lucena, sondern aus Unisan. Einen kleinen Örtchen südlich von Lucena und direkt am Meer gelegen. Der Grund warum ich hier bin, ist der, dass meine Gastfamilie in Lucena gerade in Duisburg verweilt um die Partnerschaft zwischen der Kirchengemeinde Alt-Duisburg und der Southern Tagalog Conference zu vertiefen. Bis zum Ende des Monats lebe ich jetzt also bei Pastor Gilbert, seiner Frau Gemma und Charlene (Hurra, endlich jemand in meinem Alter), die hier eine Art Praktikum macht. Doch zuerst einmal möchte ich über meine letzten Tage in Manila berichten, in denen doch noch einiges passiert ist.

 

Wie geplant haben wir vorletzte Woche Donnerstag erst den Smokey Mountain II besucht und am Nachmittag bei SINAG mitgeholfen, einem Programm, bei dem Essen an Prostituierte und deren Familien verteilt wird und den Prostituierten handwerkliche Schulungen angeboten werden.

Auf Smokey waren wir in dem von der UCCP finanzierten Day Care Center, haben uns den Unterricht angeguckt und mit der Lehrerin gesprochen, die auch dort lebt. Zu dem Programm der UCCP gehört unter anderem, dass die Kinder eine Mahlzeit bekommen, außerdem werden Schuluniformen und das notwendige Material zur Verfügung gestellt. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass die Lehrerin selbst auf Smokey Mountain I aufgewachsen ist und durch ein Förderprogramm der Regierung die Möglichkeit hatte zu studieren.

Auch wenn wir nicht sehr lange dort waren und nur einen sehr vagen Eindruck bekommen haben, aber das ist wirklich keinen Gegend in der ich lange bleiben wollte, geschweige denn leben. Es riecht wirklich nicht sehr gut (welch Überraschung) und ein paar der Häuser waren echt elendig. Dennoch war es sinnvoll das wir da waren. Nicht damit die Kinder im Day Care Center uns ein Ständchen singen konnten, sondern um einen besseren Eindruck von der Stadt und den Philippinen zu bekommen.  Ich denke, wenn man sich ein Bild von einer Stadt wie Manila machen möchte, ist es wichtig alle Facetten zu sehen und zu erleben.

 

Das Wochenende wurde wieder feucht fröhlich verbracht und wir haben von Freitag auf Samstag bei Marc und Felix gepennt. Am Freitag Abend schön in ne Kneipe, wo Felix sich mit einer philippinischen Couchsurferin verabredet hatte. Mit Mai-Mai haben wir dann prompt ne Kneipentour gestartet und keine Stunde später waren wir mit der ganzen Couchsurfer Comunity aus Manila unterwegs, echt nette Leute die man bestimmt bei Gelegenheit mal wieder trifft.

Am Sonntag stand dann um 5 Uhr aufstehen an und ab zum Gottesdienst nach Lucena und meine Stelle besichtigen. Dort habe ich dann auch erfahren, dass ich gar nicht in Lucena arbeiten werde sondern in verschiedenen Day Care Center in der Region, also Lucena nur meine Basis ist und ich wohl viel reisen werde. Aber warten wir erstmal ab, die Planung kann sich hier täglich ändern :).

Von Lucena aus sind wir dann zu einem weiterem Gottesdienst in einem Fischerdorf gefahren, zu meiner großen Freude per Boot und nicht mit dem Bus. So konnte ich ein paar Photos von der Landschaft machen, die größtenteils echt schön ist nur meistens ziemlich vermüllt.

Am Mittwoch wurde ich dann von Pastor Gilbert und den Leuten aus Lucena abgeholt, die wir dann direkt zum Flughafen gebracht haben, und ab nach Unisan. Jetzt bin ich auf mich alleine gestellt!!!


Ich bin jetzt seit einer Woche hier und man kann sagen, ich hab mich schon ganz gut eingelebt. Die Leute hier sind super nett, ich kann mich nur mit den meisten nicht so richtig verständigen, da mein Tagalog sich noch auf die Basics beschränkt und Englisch nur sehr Wenige gut und vor allem gerne sprechen (und meins ja auch nicht das beste ist). Dennoch konnte ich letzten Sonntag einen ersten Erfolg verbuchen, als ich mich recht fehlerfrei im Gottesdienst vorgestellt habe, natürlich auf Tagalog.

Da war es in Manila noch deutlich einfacher, da besonders die Jugendlichen viel lieber Englisch gesprochen haben. Ate Snap, mein Sprachcoauch, hatte mir erzählt, dass es viele junge Filipinos gibt, die gar nicht mehr richtig Tagalog sprechen können, aber dafür fließend Englisch. Ein Grund dafür ist wahrscheinlich, dass Englisch hier die Schulsprache ist und Tagalog eher wie eine Fremdsprache unterrichtet wird. Ich denke das sagt schon viel über den Stellenwert der eigenen Kultur hier aus. Vieles, das aus Amerika kommt, wird idealisiert und oft sind Weiße etwas besseres. Ich bin zum Beispiel in Manila in eine Bank gegangen um meine restlichen Euros zu wechseln und wurde sofort von einem Wachmann an den gut 20 wartenden Filipinos vorbei zum Schulter geführt. Schon ein komisches Gefühl.
Eine anderes Beispiel ist, dass dunkle Haut ein Schönheitsmakel ist und Weiße generell gut aussehen. Es ist zwar ganz nett ständig zu hören, dass man „
handsome” ist sollte man aber nicht allzu ernst nehmen. Bei mir wird es sowieso bald mit dem guten Aussehen vorbei sein, da hier echt ohne Ende gegessen wird. Etwa nach dem Gottesdienst, der Bibelstunde, der Chorprobe oder beim Jugendtreff. Drei warme Mahlzeiten am Tag sind nicht allzu ungewöhnlich. Zu allem Übel ist es auch immer richtig lecker und wer kann auch bei Krabben, Hummer oder gebratenem Tintenfisch einem Nachschlag widerstehen.

 

Tja, was mache ich sonst so? Meistens schlafe ich so bis 9, was übrigens ohne Schlafmaske und Ohrstöpsel kaum möglich wäre, da die Sonne ab fünf Uhr in mein Zimmer scheint und spätestens ab sieben die Motorräder und Laster an meinem Fenster vorbeiknattern. Vielen Dank an Familie Cleve für das weitsichtige Geschenk. Danach begleite ich meist den Pastor oder Charlene bei ihren Aktivitäten hier in der Stadt und war schon auf Trauerfeiern und Hochzeitstagen. Ansonsten mische ich mich unters Volk, etwa bei der Chorprobe oder beim Jugendtreff. Schön ist, dass man immer sofort integriert wird, wobei besonders die Jüngeren in meiner Gegenwart etwas schüchtern sind.

Wir haben auch schon einen Strandtag gemacht, lecker Fisch gegrillt, dazu nen Bier und sind schwimmen gegangen.

 

Also ihr seht, ich lasse es mir gut gehen und genieße die Zeit, bis meine eigentliche Tätigkeit los geht.

 

Gruß Lars

 

Die erste Woche :)

Autor: Lars | Datum: 05 September 2012, 13:25 | Kommentare deaktiviert

Eine gute Woche jetzt verstrichen und ich denke, es wird höchste Zeit, dass ich von mir hören lasse. Zunächst einmal die vielleicht wichtigste Information: Wir (Yasha und ich) sind gut angekommen und es geht uns gut. Der Jetlag ist überwunden, an das Wetter haben wir uns auch schon gewöhnt und zumindest ich kann nachts recht gut schlafen. Das ist sehr angenehm, da wir tagsüber meist ein straffes Programm haben. Wir treffen alle möglichen Leute, lauschen Vorträgen über die Geschichte der Philippinen, über die United Church of Christs in the Philippines und die aktuelle politische Situation, besuchen Menschenrechtsorganisationen und lerne die verschiedenen Arbeitsfelder der Kirche kennen. Natürlich alles in Englisch. Ich erspare euch einfach mal die Einzelheiten, dennoch hier ein paar Fakten zur politischen Situation.


Die Philippinen sind zwar ein Land mit einer demokratisch gewählten Regierung, dennoch herrscht keine reale Meinungsfreiheit. In den letzten Jahren gab es regelmäßig politische Morde an Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Kirchenmitarbeitern (auch in den Reihen der UCCP) und sogar an ausländischen Entwicklungshelfern, die sich zu lautstark gegen die Pläne der Regierung und der großen Firmen geäußert haben.
In vielen Gemeinden, besonders in den ländlichen Gebieten, hat das Militär die Aufgaben der lokalen Behörden übernommen und im Süden des Landes besteht immer noch ein bewaffneter Konflikt.

In den Gesprächen mit den Filippinos merkte man, dass viel Hoffnung in den vor 2 Jahren gewählten Präsidenten Aquino gesteckt wurde, der unter anderem versprochen hatte, die Korruption und die Armut zu bekämpfen, die Landreform durchzusetzen, die politischen Morde zu stoppen und im Interesse der Bevölkerung und nicht der international Konzerne zu handeln. Man wurde aber in den meisten Punkten enttäuscht.


In dieser Zeit, die wir jetzt hier sind, wurden zwei Fragen immer wieder gestellt. „Wie ist dein erster Eindruck von Manila?“ und „Wie findest du das philippinische Bier?“ Letzteres lässt sich recht schnell beantworten. Wir haben bisher zwei Sorten probiert, ein Stark- und ein Lightbier und beide waren durchaus trinkbar, aber am besten schmeckt's halt zu Hause. Wobei diese Faustregel nur beim Bier und nicht zwingend beim Essen zieht. Hier gibt es echt super-leckere Sachen, es bedarf aber ein intensiveres Studium der lokalen Köstlichkeiten um sich ein allumfassendes Urteil bilden zu können, also dazu später mehr und zurück zur ersten Frage.

Manila ist ganz klar eine Stadt der krassen Gegensätze. Das klingt zwar klischeehaft, ist aber das erste was mir auf dem Weg vom Flughafen zu unserer Unterkunft durch den Kopf geschossen ist. In dem einem Moment passiert man Malls, in die die ganze Duisburger Innenstadt passt, im nächsten eine Wellblechhüttensiedlung. Hängen geblieben ist auch der etwas beißend, süßliche Geruch, besonders an den ersten Tagen zu vernehmen. Ansonsten ist mein erster Eindruck, Manila ist wirklich bunt und erstaunlich grün. Nur an den Hauptverkehrsadern kann man kaum atmen und es herrscht das schiere Chaos. Ich bin froh, dass ich hier kein Auto fahren muss.
Ein eigenes Auto wäre hier eh überflüssig, da man eigentlich überall mit Jeepneys, Bussen oder der Straßenbahn hinkommt.
Auch wenn die Filippinos alle super nett sind, ist es ganz schön, dass wir schon zwei andere Freiwilligen einer anderen Organisation aus Bayern kennen gelernt haben, die schon seit einem guten Monat hier sind und uns ein bisschen rumführen konnten. Mit Marc und Felix haben wir am letzten Freitag das erste mal das Nachtleben von Manila erlebt. Erst gemütlich in einer Bar gesessen und später in einen Club gefahren. Da Felix schon die Managerin kennengelernt hat, kamen wir sogar umsonst als VIPs rein. Letztendlich war alles genauso wie in deutschen Clubs, der einzige Vorteil ist nur, dass selbst hier alle super höflich waren. Kein Problem, wenn man mal jemand anrempelt oder auf den Fuß tritt, meistens entschuldigt sich sogar der andere. Das lag vielleicht aber auch daran, dass wir in einem ziemlichen Nobelschuppen waren.

Ich denke soweit war es das erst einmal. Morgen steht noch ein Besuch von Smokey Mountain an und wir werden abends Mitarbeiter der Kirche begleiten, die Prostituierte mit Essen versorgen. Es stehen also noch einige interessante Programmpunkte an und am 13. September werde ich zu meiner Stelle gebracht. Mein nächster Beitrag wird also in Lucena geschrieben.


Bis dahin alles Liebe
Lars