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Meistens kommt es anders und selten wie gedacht

Autor: Lars | Datum: 19 Oktober 2012, 01:03 | Kommentare deaktiviert

Das könnte die Überschrift für meinen Aufenthalt sein, denn große Pläne machen lohnt sich hier nicht, da es meistens doch anders kommt. Das finde ich auch gar nicht schlimm, dadurch kann ich nämlich auch selbst spontane Wünsche in mein Programm einbringen. Nach einer kleinen Überraschungsabschiedsparty in Unisan, über die ich mich sehr gefreut habe (wie hier bei Partys so üblich gabs Spaghetti),
Überraschungsabschiedsfeier

bin ich jetzt also nicht, wie kurzzeitig gedacht, in dem kleinem Fischerdorf Cadmon, sondern in Batangas City, der größten Stadt in Batangas. Mein Zimmer ist, wie auch schon in Unisan, im Haus des Pastors und damit recht zentral gelegen. Zur nächsten Mall ist es nur kurzer Fußmarsch und auch der Markt ist direkt um die Ecke. Zudem hat die Gemeinde hier einen ganz großen Vorteil, verglichen mit Unisan: Es gibt eine sehr aktive Jugend (Christian Youth Fellowship). Während ich in Unisan die meiste Zeit mit Erwachsenen verbracht habe, bin ich hier größtenteils mit Jugendlichen unterwegs, die auch nicht ganz so schüchtern sind wie in Unisan.
Zwar ist mein Tagalog ein wenig besser geworden, aber richtig unterhalten kann ich mich immer noch nicht, also ist der Großteil der Konversation noch auf Englisch. Hier sind Grammatik oder richtige Vokabeln auch eher zweitrangig, Hauptsache man versteht sich.

Abgesehen von meinen Aktivitäten mit den CYF habe ich die meisten der Kirchen hier besucht und ein paar mal den Pastor begleitet. Am Samstag haben wir zum Beispiel Hilfsgüter, wie Kleidung, Handtücher, Seife oder Töpfe, zu Flutopfern der großen Flut im August (manch Einer erinnert sich vielleicht, war sogar bei uns in den Nachrichten) gebracht. Viele Familien in den ländlichen Gebieten haben den Großteil ihres Besitzes verloren und wohnen seitdem in Notunterkünften der Regierung, der Kirchen oder der NGOs. In der Unterkunft in der wir waren, haben 5 Familien auf etwa 30 Quadratmeter gewohnt. Ein paar der Flutopfer sind in den letzten Wochen zu ihren Häusern zurück gekehrt und haben mit dem Wiederaufbau begonnen.

Zudem sind ein paar CYFler und ich der Einladung von Tito Ruben gefolgt um einen Vormittag auf seiner Farm zu arbeiten. Wir haben ein Feld mit Hilfe von Rind und Pflug gepflügt, Gras geschnitten und Kokosnüsse geerntet. Insgesamt eine recht schweißtreibende Arbeit, zur Erfrischung gab es aber frischen Kokosnusssaft und als kleinen Snack hinterher Zuckerrohr zum kauen.

Das Land gehört, wie in den meisten Fällen hier, nicht Tito Ruben, sondern einem Großgrundbesitzer, der 10 Prozent von allen Ernteerlösen bekommt. Die Bauern haben auch keine Gelegenheit das Land zu kaufen und es werden meistens nur einjährige Pachtverträge abgeschlossen. Es wurde vor ein paar Jahren zwar eine Landreform verabschiedet, laut der das Land mit der Zeit in den Besitz der Kleinbauern übergehen soll, diese wurde von der Regierung jedoch nicht konsequent durchgesetzt. Das könnte unter Anderem daran liegen, dass die Meisten der hohen Politiker selbst Großgrundbesitzer sind.



Natürlich habe ich mich am Sonntag wieder im Gottesdienst meiner neuen Gemeinde auf Tagalog vorgestellt.

Hier eine kleine Kostprobe:


Magandang umaga po.

Ako po si Lars at ay galling nang Duisburg sa Germany. Labing-siyam na taong gulang at nagtapus Secondary School itong taon. Ang ina ko ay isang guro at ang ama ko ay isang architect at may isang batang kapatid na lalaki. Gulang niya ay labing-walong taon.
Gusto kong maglaro at manood nang football.


Und was verstanden? Praktischer Weise bauen die Filippinos gerne mal englische Wörter in ihre Alltagssprache ein, dass macht es für mich (und für euch jetzt auch) ein bisschen einfacher. Ausgesprochen wird das ganze fast genauso wie im Deutschen, wer aber trotzdem eine Hörprobe möchte, kann sich das Ganze auch im Internet angucken, da jeder Gottesdienst als Livestream hochgeladen wird, einfach hier klicken: http://www.ustream.tv/channel/uccpbatangascity2011#/recorded/26126768
Ich bin ab Minute 20 dran.

So, jetzt kommt auch die (freie) Übersetzung:

Guten Morgen.

Ich bin Lars und komme aus Duisburg in Deutschland. Ich bin 19 Jahre alt und habe in diesem Jahr meinen Schulabschluss gemacht. Meine Mutter ist eine Lehrerin und mein Vater ist ein Architekt und ich habe einen jüngeren Bruder. Er ist 18 Jahre alt.
Ich spiele und schaue gerne Fussball.

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass es hier spezielle Anreden für Ältere gibt, die ich auch in meinen Texten benutzt habe. Abhängig vom eigenem Alter (und manchmal auch Position) wird Kuja (großer Brude), Ate (große Schwester), Tito (Onkel), Tita (Tante), Lolo (Opa) oder Lola (Oma) vor den Vornamen gesetzt.

So, das wars auch schon von mir. Ich hoffe es geht euch allen gut und ich möchte mich mit einem Lied verabschieden. Das ist hier im Moment der Winterhit und wird eigentlich überall gespielt. Besonders der Tanz wird von den Jugendlichen gefeiert, musste ich auch schon machen :). Also einfach mal reinschauen.

 

Von Sonnenbrand und Stromausfaellen

Autor: Lars | Datum: 06 Oktober 2012, 08:19 | Kommentare deaktiviert

Da ich gerade etwas Zeit habe, schreibe ich mal das nächste Update zu meiner momentanen Situation. Ich bin immer noch in Unisan und werde aber wohl demnächst abreisen. Wohin und wann genau, klärt sich wohl heute Abend, dann treffe ich nämlich die Leute aus Lucena, die für meinen Aufenthalt hier verantwortlich sind.
Die letzten zwei Wochen war hier abgesehen von gelegentlichen Stromausfaellen nicht viel los. Ich begleite weiterhin den Pastor, nehme an den Jugendveranstaltungen teil und habe zwischendurch reichlich Zeit für mein Tagalogstudium.  Zudem war ich ein paar mal mit Ate Myrna, die in der hiesigen Krankenstation arbeitet, unterwegs. Die fahren die Dörfer in der Umgebung an und klären über die Krankheit Filariose (Elefantitis) auf und verteilen Medikamente, die fünf Jahre davor schützen sollen. Obwohl die Medikamente umsonst sind, lehnen viele aus Angst ab oder nehmen sie erst nach längerer Überzeugungsarbeit. Ansonsten werden auch einfache medizinische Dienstleistungen angeboten: Man kann seinen Blutdruck messen lassen, Eltern können ihre Kleinkinder wiegen, es werden Ohrlöcher gestochen und medizinischer Rat erteilt. Ich helfe so gut ich kann und übe dabei die paar Sätze Tagalog, die ich schon drauf habe. Schon ist auch, dass man ein Bisschen was von der Gegend sieht auch wenn ich meistens viel Aufmerksamkeit errege. Lustiger Weise werde ich immer erst für einen Amerikaner gehalten und die Leute grüßen mich im vorbeigehen des Oeftern  mit „Hey Joe“. Vielleicht kennt ihr ja die Comicfigur G.I. Joe, das ist für viele Leute hier der typische Amerikaner und somit auch der typische Weiße.

 

 

Ansonsten bestanden die Höhepunkte aus weiteren Strandbesuchen, Bootstouren mit dem Pastor, einem Angelausflug und der jährlichen Generalversammlung der Southern Tagalog Conference.
Die Bootstouren haben echt Spaß gemacht, wir sind einmal den Fluss hoch gefahren und haben uns die Gegend vom Wasser aus angeguckt, dabei sind ein paar ganz schöne Photos entstanden.


Beim zweiten mal sind wir die Küste entlang gefahren. Ich hatte mich echt geärgert, dass ich an dem Tag meine Kamera vergessen hatte, da wir nachmittags gestartet und zur mit der Dämmerung zurückgekommen sind und der Strand in ein echt schönes Licht getaucht war.
Gestern waren wir dann Angel und ich habe mir meinen ersten Sonnenbrand geholt. Bisher hat die Sonne selten länger als 2 Stunden am Stück zu sehen, aber ausgerechnet gestern war nach einen verregneten Morgen, der mich dazu veranlasst hat, keine Sonnencreme mitzunehmen, sondern einen Regenschirm einzupacken, kaum eine Wolke mehr am Himmel. Dafür gibt es aber heute selbst gefangenen Fisch.

 

Sehr viel Spaß hatte ich auch bei der Generalversammlung, oder wie das hier heißt Fellowship of the Coin, in Batangas City. Es waren etwa 400 Leute aus dem ganzem Kirchenkreis da und es wurde zusammen Gottesdienst gefeiert, viel Gesungen und viel geredet. Insgesamt eine echt lockere Atmosphäre, ich glaube bei uns wären solche Veranstaltungen steifer. Ich könnte mir zumindest nicht vorstellen, dass in Deutschland die Veranstaltung mit einer Gesangs- und Tanzperformance der Führungsriege der Landeskirche beginnt, aber vielleicht täusche ich mich auch.
Nachdem ich mich dann vorgestellt hatte und sogar bei dem Auftritt meiner Kirche mit auf der Bühne stand, wollte wirklich jeder ein Photo mit mir haben. Also habe ich mit jeder Delegation ein schönes Gruppenphoto gemacht und bin so auch ein bisschen ins Gespräch mit den Teilnehmern gekommen. Etwas befremdlich fand ich es nur, dass einige Jugendliche mich nach einem Photo gefragt haben, ohne sich vorher vorzustellen oder mit mir geredet zu haben, nur um danach schnellstmöglich das Weite zu suchen. Auf meine Versuche hin, ein Gespräch zu Stande zu bringen, hab ich dann meist sehr einsilbige Antworten und ein gemurmeltes Thank You erhalten und weg waren sie (ich glaube die waren einfach zu schuechtern). Letztendlich hat sich dann Charles, der Vorsitzende des CYF (Christian Youth Fellowship) meiner erbarmt und so habe ich dann doch noch ganz gut Anschluss gefunden.

Ich bin gespannt, was sich heute Abend so ergibt und informiere euch, sobald ich was neues gibt.