VEM-Freiwillige   2017/2018   2016   2015   2014   2013   2012   2011   2010   2009 

Alena | Anne | Annika | Augustin | Freddy | Janina | Lars | Lena K | Lena S | Luise | Maike | Manuel | Maren | Mona | Nele | Sebastian | Viola | Wiebke | Yasha

Menu:

Archiv

Blog durchsuchen:

Mindanao und zurück

Autor: Lars | Datum: 08 März 2013, 16:40 | Kommentare deaktiviert

Ende Januar ging es dann für mich zum Weltwärts-Zwischenseminar nach Davao auf Mindanao. Wir waren 16 Freiwillige von unterschiedlichen Organisationen aus allen Bereichen der Philippinen. Fünf Tage lang haben wir uns über unsere Erfahrungen und unsere Arbeit ausgetauscht, aber auch über Probleme und Konflikte in den Einsatzstellen geredet. Dafür hatte Didi, unser Seminarleiter einen sehr schönen Ort ausgewählt, ein kleines Resort auf der Insel Talikud. Zwischen den Einheiten blieb genug Zeit um mal kurz abzutauchen, die hauseigenen Korallen zu bewundern, Kajak zu fahren oder einfach nur auf der Terrasse zu entspannen und den Ausblick genießen.

Ausblick von der Terasse beim Zwischenseminar

Also fast schon ein bisschen wie Urlaub. Nach fünf Tagen war der Spaß aber schon vorbei und es ging teilweise schweren Herzens zurück in die Einsatzstellen. Jedoch nicht für mich. Ich hatte noch eine Woche auf Mindanao, in der ich mit Yasha, dem anderen VEM Freiwilligen und Matthew, einem amerikanischen Missionar, nach General Santos gehen sollte, hier auch bekannt als die Hauptstadt des Tunfisches, in der ich mein neues philippinisches Lieblingsessen entdeckt habe: selbst gemachtes Kinilaw. Eine Art Salat aus rohem Tunfisch, eingelegt in einer Essigsoße. Schmeckt super lecker, besonders wenn man den Fisch fangfrisch am Hafen kauft. Der eigentliche Grund unseres Aufenthaltes in Gen San war aber nicht der Tunfisch, sonder der Besuch der umliegenden Moro-Communities, also der islamischen Gemeinden.

 

Schon lange bevor die Spanier das Land kolonialisierten und das Christentum mitbrachten, hatte der Islam auf den südlichen Inseln Einzug gefunden. Während zu Beginn des 20th Jahrhundert noch der größte Teil der Bevölkerung Mindanaos muslimisch war, sind es heute jedoch nur noch 40%. Nicht zuletzt auf Grund von durch die Regierung geförderter Siedlungsprogramme für christliche Filippinos aus dem Norden und nicht selten entstanden dabei Konflikte, wenn Land der indigenen Bevölkerung den neuen Siedlern versprochen wurde. In den 1960ern bildete sich ein bewaffneter islamischer Widerstand, der sich in etlichen Gruppierungen organisierte. Die wohl bekannteste und heute auch größte ist die Moro Islamic Liberation Front (MILF), die seit etlichen Jahren in Friedensverhandlungen mit der Regierung steht und es wurde 2001 auch ein Waffenstillstand ausgehandelt, der jedoch nicht lange anhielt. Seit dem gab es immer wieder Kämpfe zwischen der Regierung und den Rebellen, die unter anderen für ein unabhängiges Mindanao kämpfen und gegen die Ausbeutung der Ressourcen durch internationale Firmen. Mindanao ist, soweit es Landwirtschaft und Bodenschätze betrifft die reichste Region der Philippinen, jedoch, wie das meistens so ist, mit der ärmsten Bevölkerung. Der Konflikt, wenn man überhaupt von nur einem sprechen kann, ist jedoch deutlich vielschichtiger, als ich ihn hier beschreiben könnte, da er sowohl religiös, als auch politisch motiviert ist, aber auch unterhalb der Clans stattfindet und es so viele unterschiedliche Akteure gibt.
Das hört sich jetzt ziemlich gefährlich an und man sollte bestimmte Regionen Mindanaos auch nicht ohne Führer, oder am besten gar nicht, bereisen, wir waren jedoch die ganze Zeit mit Einheimischen unterwegs und haben die besonders Konfliktträchtigen Regionen gemieden und Davao ist sowieso eine der sichersten Städte der Philippinen, wobei dort des öfteren der Zweck die Mittel heiligte oder anders gesagt, Verbrecher haben hier eine recht niedrige Lebenserwartung.

 

Wir waren also vier Tage in muslimischen Gemeinden an der Küste unterwegs und haben mit den Bewohnern geredet. Es ging eigentlich immer um das selbe Problem, nämlich das die Gemeinden vor 30 bis 40 Jahren auf Land errichtet wurden, dass Großgrundbesitzern gehört, diese sich aber nicht daran gestört hatte. Erst als das Land in den letzten Jahren verkauft wurde, in einem Fall an einen Energiekonzern, der dort ein Kraftwerk errichten möchte, wurde den Bewohner gesagt, dass die Häuser bald abgerissen würden. Es wird teilweise auch Ersatzland angeboten, jedoch nicht an der Küste und die Menschen, meistens Fischer, befürchten ihre Lebensgrundlage zu verlieren. Viele der betroffenen Gemeinden sind lokal organisier und veranstalten etwa Protestmärsche. Die Vergangenheit zeigt aber, dass so etwas meist ohne Erfolg beleibt, meiner Meinung auch, da man nicht Landesweit organisiert ist, sondern jeder sein eigenes Süppchen kocht und es an Solidarität in den nicht betroffenen Gemeinden fehlt. Es wird auch versucht die Regierung mit ins Boot zu holen, die noch immer keine klare Gesetzesgrundlage für solche Fälle geschaffen hat, wobei diese anscheinend immer wieder vorkommen. Auch die geforderte Finanzielle Unterstützung der umgesiedelten Familien wird es wahrscheinlich nicht geben und so könnte es passieren, dass die Betroffenen, wie in vorherigen Fällen auch schon, sich illegal in den Stadtzentren ansiedeln, womit das Problem nur aufgeschoben wurde.
Wir wurden bei unseren Gesprächen immer wieder gefragt was wir den vorschlagen könnten, wie das Problem zu lösen sei und außer einer besseren Organisation des Protests und zu versuchen sich mehr Gehör zu verschaffen, viel uns auch nicht mehr ein, als das Beste aus der neuen Situation zu machen. Eine nicht wirklich zufriedenstellende Antwort. Yasha wird sich auch in der Zukunft noch gelegentlich in Rahmen seiner Arbeit mit diesen Problemen beschäftigen, für mich waren diese aber nach der 4tägigen „exposure“ abgehackt und ich hatte noch drei Tage Zeit Davao zu erkunden, zumeist bei Nacht. Ein Höhepunkt bei Tage war der Besuch des Philippine Eagle Research & Nature Center, in dem es nicht nur die philippinischen Adler, die gemessen an der an der Flügelspannweite (bis zu 2 Meter) die größten der Welt sind, sonder auch viele andere Tiere und Pflanzen zu sehen gab, die in den Philippinen heimisch sind: Einfach mal hier durchklicken! Ein paar Wochen später in Bondoc Penisula hab die Seeadler sogar freier Wildbahn beobachten können:

Der Seeadler in Natura

Bevor es für mich nach Lucena zurück ging, um meine Reise nach Bondoc Peninsula anzutreten, habe ich noch die salvatorianischen Freiwilligen in Manila besucht. Nachdem der Behördengang für mein Jahresvisa überflüssig geworden war, da die Dokumente noch nicht fertig waren :-) hatte ich noch einen freien Tag, an dem ich Marc, Felix, Andi und Simon in ihr Projekt begleitet habe. Die vier arbeiten in als Lehrer in Tondo, eine der ärmsten Gegenden Manilas, und gehen in die Häuser der Schüler, um diese vor Ort zu unterrichten. Die Kinder sind zwischen 3 und 5 Jahren alt, also das gleiche Alter, wie die Kinder in den Day Care Centern, in denen ich bisweilen assistiert habe.

Ich war also mit der Materie vertraut und nicht komplett unvorbereitet, als ich Andi in seine Gruppen begleitet habe. Eine komplett neue Erfahrung war es jedoch in die Häuser der Schüler zu gehen und den Stadtteil Tondo nochmal aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben. Tauschen wollte ich mein Projekt aber nicht, alleine schon wegen dem 1½ stündigen Weg zur Arbeit durch den Smog von Manila. Da ist mir die meist doch recht frische Seeluft in meine Projekten deutlich lieber. Wenn ihr mehr über das Projekt erfahren wollt, empfehle ich euch mal einen Blick in den Blog von Felix zu werfen. Dort findet ihr auch einen, wie ich finde recht ergreifenden, Artikel über das Feuer, dass vor ein paar Wochen in Tondo gewütet hat und von den Vieren Haut nah miterlebt wurde --> http://rehgoestothephilippines.wordpress.com/

Das war diesmal aber viel Text und wenig Bilder, ich hoffe ihr habt trotzdem Spaß beim Lesen. Als nächstes hört ihr wohl wieder via Rundbrief von mir, ich bin wie immer spät dran, aber das kannte man bei mir ja schon vor den Philippinen.